Skatepark Füssen

Interviews, Magazin, Sport

Neuer Skatepark in Füssen
Wenn sich das Warten lohnt – Nach Spatenstich geht es endlich los!

Seit den 1980er Jahren hat sich in Füssen eine ordentliche Skate-Community etabliert, die aktuell über 100 aktive Skater zählt. Da liegt es nahe, dass die Szene nach einem nahen Ort sucht, an dem sie ihrer Leidenschaft nachgehen kann.

Foto von canva

Nach jahrelangem Ringen wurde dem Bau eines Skateparks im Füssener Weidach stattgegeben und die langersehnte Umsetzung des Projekts steht aktuell in den Startlöchern. Anfang Juni wurde das Gelände mit dem traditionellen Spatenstich freigegeben. Die Anlage wird voraussichtlich noch in diesem Jahr eröffnet. Bauunternehmer, Hauptinitiator und Kopf hinter der lokalen Aktionsgruppe „Design-Team Skatepark Füssen in Zusammenarbeit mit dem Jugendtreff Füssen“ Thomas Scheibel stand uns im Interview Rede und Antwort.

 

Interview

(mit Thomas Scheibel Bauunternehmer, Hauptinitiator und Kopf hinter dem Projekt)

Thomas, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch! Ein langer und steiniger Weg liegt hinter euch. Vielleicht kannst du uns kurz erzählen, wann und wie die Idee eines amtlichen Skateparks in Füssen aufgekommen ist?

Selbst heute reibe ich mir noch ungläubig die Augen wenn ich „Füssen“ und „amtlicher Skatepark“ in einem Satz lesen, so surreal fühlt sich das Ganze noch an. Den Wunsch nach einem vernünftigen Skatepark in Füssen gibt es seit über 30 Jahren, an der Umsetzung ist es bisher immer gescheitert. Es gab hier und da eine Notlösung, die jedes Mal nach wenigen Jahren – meist wegen Beschwerden der Nachbarn – wieder weichen musste. Es sind hierbei oft die Zugezogenen, die sich das Recht herausnehmen für Ihren Altersruhesitz neben eine Sportanlage zu ziehen und dann versuchen diese zum Erliegen zu bringen. Als ich nach 10 Jahren Abwesenheit nach Füssen zurückgekommen bin, war gerade Wahlkampf für den Bürgermeisterposten. Durch Zufall kam ich dazu, ein Wahlkampfduell der beiden Kandidaten in einer Füssener Kneipe zu moderieren. Es ging insbesondere um das Dauerthema, dass die Jugend in Füssen deutlich zu kurz kommt. Wie im Wahlkampf üblich ,haben beide Politiker versprochen sich aktiv für die Jugend einzusetzen. Ich habe daraufhin eine Gruppe in Facebook gegründet, viele Jugendliche und Stadträte zu dieser Gruppe eingeladen, sowie die Versprechen der Politiker verschriftlicht. Nach der Wahl haben wir dann den amtierenden Bürgermeister daran erinnert, diese Versprechen einzuhalten.

Ich erinnere mich, dass sogar die Toten Hosen nach Füssen eingeladen werden sollten, als schlagkräftiges und vor allem lautstarkes, unterstützendes Argument? Schade, dass nichts daraus wurde, oder?

Das mit den Toten Hosen war ein gelungener Marketing-Gag, der uns sehr geholfen hat auf das Projekt Skatepark aufmerksam zu machen, sowie viel mediales Interesse zu bekommen. Der komplette Stadtrat hat gemeinsam als Bewerbungsvideo für das Toten Hosen-Wohnzimmerkonzert das Lied „An Tagen wie diesen“ gesungen; im Anschluss wurde unter Beisein des Fernsehens einstimmig die Umsetzung des Projektes beschlossen. Auch wenn wir die Party mit den Toten Hosen gerne mitgenommen hätten, war unser Ziel erreicht.


Hat sich die Füssener Skate-Community seit den 1980er Jahren verändert? Wie hast du den Wandel wahrgenommen?

Skaten war früher sicherlich eine Randsportart, es gab eine Art Subkultur die insbesondere in den 90ern mit der dazugehörigen Skatepunk-Musik Ihren Höhepunkt hatte. Skateboarden war ein Ausdruck von Protest. Wir waren als Skater oft unerwünscht und unsere Bretter wurden sogar ab und an eingezogen. Ein 14-Jähriger versteht es nicht, wenn ihm die Polizei sein Skateboard wegnimmt. Es ist gefährlich wenn man heranwachsenden das Gefühl gibt, kein erwünschter Teil der Gesellschaft zu sein. Heute ist Skateboarden zu einer massentauglichen Freizeitbeschäftigung geworden, die in zwei Jahren olympische Disziplin wird. Ebenfalls sind die Altersgrenzen verschwommen. Früher war Skaten ein reines Teenager-Hobby. Heute gehen Väter mit Ihren Kindern gemeinsam Rollbrett fahren.

Was waren die Gründe, dass die langersehnte Umsetzung des Projekts so lange gedauert hat?

Zum einen ist Füssen stark verschuldet und die Finanzierung hat sich daher als besonders schwierig erwiesen. Wir haben alleine über ein Jahr Zeit investiert, um Europäische Fördermittel zu bekommen. Zum anderen waren die Grundstücksuche und der Erwerb sehr aufwendig. Außerdem mussten unzählige planerische Probleme, von Parkplatznachweis oder der Abstand zur benachbarten Bundesstraße gelöst werden. Damit sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, haben wir ein aufwendiges Lärmschutzgutachen in Auftrag gegeben. Somit hat die neue Anlage Rechtssicherheit.

Wie läuft die Finanzierung des Projekts? Kannst du eine Gesamtsumme nennen?

Der Skatepark wird knapp 460.000 Euro kosten, zuzüglich der Kosten für die Grundstücke. Von der Bevölkerung haben wir 60.000 Euro an Spenden bekommen, sowie 20.000 Euro von den umliegenden Gemeinden. Diese enorme Spendensumme hat das LEADER Gremium – einer Kommission für die Vergabe von europäischen Fördermitteln – derart überzeugt, dass wir die höchstmögliche Fördersumme von 200.000 Euro zugesagt bekommen haben. Dies war die höchste Einzelsumme die jemals von LEADER für ein Projekt zur Verfügung gestellt wurde.

Bei so einem Preis darf man sich wohl auf eine Premium-Anlage freuen. Ist der Platz nur fürs Skateboarding konzipiert oder wird der Park vielseitiger nutzbar sein, als ein Laie denkt?

Bei der Erstellung des Konzepts wurde viel Wert darauf gelegt, dass die Anlage für alle Könnerstufen, aber auch für möglichst viele Sportgeräte geeignet ist. Nicht nur mit dem Skateboard, sondern auch mit dem Fahrrad, BMX, Scooter, Longboard oder mit Inlineskates soll die Anlage befahrbar sein.

Sind neben dem Skatepark noch weitere Projekte für die Jugend auf dem Gelände im Weidach geplant?

In den Startlöchern stehen die Fußballer mit einem Kunstrasenplatz, sowie die Baseballer mit einem großen Spielfeld. Gemeinsam mit dem Füssener Jugendtreff JUFO mache ich mich dafür stark, dass auf dem Areal noch ein neues Jugendhaus entsteht. Die Vision ist ein schalldichtes Gebäude mit der Funktion eines Kulturzentrums zu schaffen. Es fehlt bisher an Räumlichkeiten in denen man auch mal eine Feier, ein Konzert oder einen Bandwettbewerb stattfinden lassen kann. Durch den enormen Zuspruch, den das Projekt Skatepark aus der Bevölkerung erhalten hat wurde einigen Verantwortlichen klar, dass die letzten Jahre viel zu wenig für die Jugend investiert wurde.

Wer übernimmt den Bau der Anlage? 

Es war uns sehr wichtig, dass ausschließlich Firmen zum Zug kommen, die sich auf den Bau von Skate- und Bikeparks spezialisiert haben. Gleichzeitig mussten wir das Europäische Vergabeprozedere einhalten um die Fördermittel nicht zu gefährden. Die Entscheidung ist nun auf Ankerrampen für den Skatepark und auf Velosolutions für den Bau des Pumptracks gefallen. Ich bin sehr glücklich mit der Auswahl der Firmen, da es sich hierbei um echte Profis handelt, die ihr Handwerk verstehen.

Für wann ist die Eröffnung geplant? Gibt es eine Feier? Vielleicht mit Contest?

Auch wenn der offizielle Spatenstich schon gefallen ist, fehlt noch die Baugenehmigung, diese sollte in den nächsten Stunden kommen, danach geht es endgültig los. Je nach Wetter und Temperatur bemisst sich der Baufortschritt. Die Eröffnung findet auf jedem Fall im Herbst statt, selbstverständlich mit einer gebührenden Einweihungsparty mit Contest, Events und Konzerten.

Erinnerst Du dich noch an Deine aktiven Skateboard-Zeiten, und was bedeutet Skaten für Dich?

Die Zeit auf meinem Skateboard hat mich sehr geprägt und ich denke sehr gerne an meine Jugend als aktiver Skater zurück. Auch heute bin ich dem Brettsport von Surfen bis Snowboarden noch verbunden. Als Skater habe ich gelernt dass man Durchhaltevermögen braucht, um seine Ziele zu erreichen. Es ist unwichtig wie oft man hinfällt, es geht vielmehr darum wieder aufzustehen und es nochmal und nochmal zu versuchen.