Insanity Inc.

Interviews, Magazin

Als sich Sänger Domi in den Kopf gesetzt hat, eine eigene Band zu gründen, dauerte es zunächst noch fast zwei Jahre, bis er die passende Crew in der jetzigen Besetzung gefunden hatte. Die fünf Musiker hatten also nicht gerade viel Zeit, um Erfahrung auf Konzertbühnen zu sammeln, an ihrer Live-Performance zu feilen oder sich an den Anblick von erwartungsvollen Zuschauern, die vor der Bühne stehen, zu gewöhnen.

Beim Bandcontest von Rock The King machten sie trotzdem einen sehr respektablen zweiten Platz. Gleich hinter +NASVAI+, die bei der Abstimmung durch das Publikum einen um ein Dezibel lauteren Applaus bekamen als Insanity Inc. Wenn eine sympathische Metalband aus der Gegend noch so grün hinter den Ohren ist, aber eine EP mit eigenen Songs am Start hat und bei der ersten Feuerprobe souverän liefert, ist das schon nicht schlecht. Wohlgemerkt im direkten Vergleich mit Bands, die zehn Jahre mehr auf dem Buckel und eine treue Fanbase haben.

Wir wurden neugierig und wollten Insanity Inc. einmal näher unter die Lupe nehmen. Und auch wenn der Sound eher finster klingt und sie in den Texten gerne mal psychische Krankheiten thematisieren oder den Schmerz der Agonie beschreiben – kurz nachdem Domi, Max und Sascha gutgelaunt und überpünktlich zum Interviewtermin erschienen, wurde deutlich, dass sie ihre Musik und alles was damit einhergeht, von ganzem Herzen lieben und sehr ernst nehmen. Freitagabends bei einem kühlen Bier bzw. Ananassaft haben wir unter anderem über Songwriting und die Themen von Metal-Texten gefachsimpelt. Zuerst musste aber eine eher oberflächliche Frage geklärt werden…

INTERVIEW
mit Max, Domi und Sascha von INSANITY INC.

Wie würden ihr euren Style beschreiben?

Max: Ist das jetzt auf den musikalischen Style bezogen oder unsere Klamotten? (alle lachen)

Sascha: Ich finde das gar nicht blöd, wenn wir schon mal zum Interview da sind, können wir ja auch so einen Fashion-Blog machen. Den Metal-Moderatgeber.

Domi: Stimmt. Da gibt es nämlich schon klare Richtlinien. Zum Beispiel kurze Hosen gehen gar nicht! Nie. Nicht auf der Bühne, nicht im Proberaum, nicht auf der Straße, wenn man mit der Band unterwegs ist und man fotografiert werden kann.

Sascha: Außer der Drummer bei einem Auftritt. Und auch nur dann, wenn er oberkörperfrei spielt.

Wollt ihr denn zu eurer Musik vielleicht auch noch was sagen?

Domi: Grundsätzlich kann man schon sagen, dass wir versuchen, melodisches Zeug zu machen. Zeug, das man sich gut anhören kann. Zeug, das man wiedererkennt. Die Vocals haben fast immer eine sehr straighte Hook, die man sich gut merken kann und vielleicht sogar ein bisschen was Poppiges hat. Am Ende ist es aber trotzdem noch Metal. Aber halt sehr melodisch, mit vielen Leadgitarren-Parts, die einen hohen Wiedererkennungswert haben.

Sascha: Und dann Breakdowns völlig aus dem Kontext, die Strophen immer sehr verstreut. Da kann der Hörer anfangs schon ein bisschen überfordert sein.

Wenn ihr eure Band mit einem Film vergleichen müsstet, welcher wäre das?

Sascha: Cool! Das ist eine brutal interessante Frage find ich. Aber spontan was finden, dass den Nagel auf den Kopf trifft? Wir sollten das ausführlich und sachlich bandintern diskutieren… (lacht)

Domi: Also wenn ich mir uns so anschaue, als völlig bekloppten, durchgedrehten Haufen – dann fällt mir nur „Inglourious Basterds“ ein. Irgendwie chaotisch, trotzdem mit Struktur und einem klaren Ziel vor Augen und definitiv ein Fall unter der Gürtellinie.

Sascha: Unsere Songs sind prinzipiell – obwohl sie sehr eingängig aufgebaut sein sollen – immer ziemlich progressiv, vielschichtig, verspickt. Du wirst bei uns kaum einen Song finden, der klassisch aufgebaut ist: Verse, Chorus, Verse, Chorus, Bridge, Solo, Chorus. Ich kann mir gut vorstellen, dass man als Hörer beim ersten Mal ein bisschen überfordert ist.

Um was geht es in euren Texten und wer schreibt eure Texte?

Domi: Die Texte schreib ich. Hin und wieder kommt vom Sascha noch eine Passage. Inhaltlich geht es halt um alles, was uns selbst beschäftigt.

Max: Groupies!

Sascha: Es gibt zum Beispiel einen Song über das Bewältigen der eigenen Vergangenheit und den damit verbundenen Schmerz. Oder das Überwinden von Vorurteilen, Verarbeiten eines schmerzhaften Verlustes. In Summe geht es schon um die eher düsteren Geschichten. Wir waren alle schon immer vom Bösen und von Abgründen fasziniert, vom Absurden und Verrückten.

Wie entstehen eure Songs? Macht ihr Jamsessions im Proberaum oder bringt jemand eine Idee oder einen Riff mit und dann werden die Sachen ausgearbeitet?

Max: Großteils schreibt Sascha die komplette Songstruktur allein, nimmt sie zuhause auf und schickt uns das Zeug. Domi bastelt dann an den Lyrics und wenn alle zufrieden sind, wo die Reise hingeht, geht’s damit in den Proberaum. Da kriegt der Song dann den Feinschliff, alle größeren Schritte sind zu dem Zeitpunkt schon erledigt.

Domi: Der Alex würde sich manchmal schon wünschen, dass wir mehr jammen. Aber wir haben festgestellt, dass wir mit der Arbeitsweise viel effizienter sind. Wir haben alle wenig Zeit, wegen Jobs und Studium usw., deshalb versuchen wir die Zeit im Proberaum so gut wie möglich zu nutzen. Wir haben da auch keine Couch drin stehen und keinen Kühlschrank für Bier oder sowas. Da ist gerade mal genug Platz, dass jeder ein bisschen austicken kann, das war‘s.

Für welchen Film hättet ihr gerne den Soundtrack geliefert?

Domi: Ich hätte sehr, sehr gern den Soundtrack für „Pretty Woman“ geschrieben. Was gibt es denn, das besser zu richtig geilem Metal-Sound passt, als einen Typen, der sich einfach in eine Prostituierte verliebt. (alle anderen lachen) Wenn ich die beste Ballade der Welt schreiben würde, hieße das Lied „Fell in love with a hooker“. Das ist wahrer Metal!

Was wolltet ihr schon immer in einem Interview sagen?

Domi: Support your locals! Ihr müsst immer die kleinen Bands da draußen unterstützen, auf kleine Konzerte gehen, eure lokalen Künstler anfeuern! Klar ist es auch mal geil auf ein Konzert von amtlichen Rockbands zu gehen, die durch die ganze Welt touren, mit krasser Bühnenshow usw. Aber ohne die Leute, die auf Konzerte gehen, wo sie vorher keine Ahnung haben und keinen einzigen Namen im Line-up kennen, haben Newcomer nicht die geringste Chance.

Sascha: So viele fahren sonst wohin, nur um eine Band live zu sehen, von der sie alles auswendig kennen und vielleicht sogar schon live gesehen haben. Und weil sie so krasse „Fans“ sind, ist es auch egal, was das Ticket kostet. Dabei entdeckt man doch die geilsten Künstler und Musiker auf Konzerten, wenn man vorher keine Ahnung hat, was einen erwartet!

Max: Wo ist euer Klo?