Hämatom

Interviews

Fr. 05.10.2018 - Kaminwerk/Memmingen

Interview mit Gitarrist Ost

Das Thema des Jahrhundertsommers ist gerade in aller Munde. Wie gehst du mit den heißen Temperaturen um?

Ich habe mich diesen Sommer hier aus der Gegend verpisst und die Zeit an der Nordsee verbracht. Da war das Wetter erträglich, weil es so sechs bis sieben Grad kälter war und immer gewindet hat. Es war also schön auszuhalten. Das einzige, was mich stört ist, dass mein Garten aussah wie die Sahara persönlich.

 

Erzähl mal ein bisschen was über deinen musikalischen Werdegang. War Hämatom deine erste „richtige“ Band?

Tatsächlich mache ich mit den meisten Hämatomen schon Musik seitdem ich 13 bin, die erste Show war dann mit 14 in einem Feuerwehrhaus hier gleich um‘s Eck. Wir hatten eine recht erfolgreiche Coverband, mit der wir zehn Jahre unterwegs waren und sehr viel Bühnenerfahrung sammeln konnten. Ich glaube das war ein echter Vorteil – mit Hämatom nicht bei null zu starten, sondern schon ein wenig zu wissen, wie das alles läuft.

Was habt ihr denn gecovert?

Wir haben nichts ausgelassen, was so richtig beschissen war (lacht). Aber wir haben auch coole Sachen gespielt: Von DJ Ötzi über System of a Down bis Sepultura war wirklich alles dabei. Wobei sich das dann im Laufe der Zeit entwickelt hat und immer härter wurde.

 

Was ist das Beste daran, Gitarrist in einer Band zu sein?

Die Frauen (lacht). Ne ganz klar, das sind die Groupies. Man nimmt kein Instrument in die Hand, um sich selbst zu verwirklichen – soweit hat man mit 13 gar nicht gedacht, sondern man wollte einfach Frauen beeindrucken. Es war auch eine sehr schwierige Zeit, mit viel Akne im Gesicht, merkwürdigen Haaren und komischer Kleidung – da hat man natürlich jeden Strohhalm, der irgendwo rumlag, genommen, um besser anzukommen und bei mir war es dann eben die Gitarre.

Eure Künstlernamen sind an die vier Himmelsrichtungen angelegt. Warum hast du dir „Ost“ ausgesucht?

Als wir damals die Band gegründet haben, war uns klar, dass Hämatom mehr sein soll, als einfach nur mit Jeans und schwarzen Motörhead-
T-Shirts auf der Bühne zu stehen. Wir wollten etwas Ganzheitliches machen und dazu gehört nicht einfach nur die Liveshow, sondern auch die Masken und Pseudonyme. Wir wollten es auf eine geniale Art und Weise simpel gestalten und irgendwann kam uns dann der Einfall mit den Himmelsrichtungen: Ich komme aus Polen, deshalb lag es sehr nah, dass ich der Osten bin, unser Bassist – der West – fuhr damals schon dicke Karren und spiegelt den Kapitalismus in unserer Band wider. Süd ist der Urlaubstyp, der mit seinem Rucksack durch die ganze Welt getingelt ist und sich überwiegend in sonnigen Gefilden aufgehalten hat. Nord ist der introvertierte, kalte Mann, der lieber zuhause sitzt, als sich vor eine Kamera oder ein Mikro zu stellen.

 

Warum habt ihr euch genau für die Masken entschieden, mit denen ihr jetzt auf der Bühne steht?

Wir haben irgendwann angefangen, Masken zu kreieren und auch hier haben wir einiges verbrochen (lacht): Es gibt ganz schlimme Bilder aus unserer Anfangszeit, als West als Tannenbaum verkleidet war, ich Autoreifen auf meinen Schultern hatte und Süd einen Bankräuberstrumpf über‘s Gesicht gezogen hatte. Das Ganze hat sich dann natürlich mit der Zeit weiterentwickelt, nur ein paar charakteristische Merkmale sind geblieben: Ich hatte immer irgendwas mit einem Iro, der West den Kartoffelsack in verschiedenen Ausführungen und Süd ist immer der Skull.

Würdest du heute immer noch sagen, dass das Konzept mit den Masken eine gute Idee war?

Tatsächlich hat es sich bei mir komplett gewandelt – eher würde ich sagen, dass ich in den ersten zehn Jahren nicht so wirklich davon überzeugt war, weil die Masken tatsächlich vieles erschweren – vor allem in der heutigen Zeit, wenn man Bilder auf Instagram oder Facebook posten möchte. Emotionen widerzuspiegeln ist natürlich mit Maske auch nicht wirklich möglich. Das ist auch genau der Grund, warum Nord keine Maske trägt. Aber mittlerweile würde ich sagen, dass es zugleich auch sehr viele Vorteile bietet: Wir waren auf Wacken und hatten das große Vergnügen einfach mit der Menge feiern zu können, ohne ein einziges Mal angesprochen zu werden.

Würdest du heute immer noch sagen, dass das Konzept mit den Masken eine gute Idee war?

Tatsächlich hat es sich bei mir komplett gewandelt – eher würde ich sagen, dass ich in den ersten zehn Jahren nicht so wirklich davon überzeugt war, weil die Masken tatsächlich vieles erschweren – vor allem in der heutigen Zeit, wenn man Bilder auf Instagram oder Facebook posten möchte. Emotionen widerzuspiegeln ist natürlich mit Maske auch nicht wirklich möglich. Das ist auch genau der Grund, warum Nord keine Maske trägt. Aber mittlerweile würde ich sagen, dass es zugleich auch sehr viele Vorteile bietet: Wir waren auf Wacken und hatten das große Vergnügen einfach mit der Menge feiern zu können, ohne ein einziges Mal angesprochen zu werden.

Das heißt, du wirst nicht gern auf der Straße erkannt?

Nein, die Zeiten sind vorbei. Im Gegenteil: Ich finde es immer sehr geil bei Konzerten oder Festivals aufs Klo zu gehen und über die eigene Band abzulästern (lacht). Das ist mir lieber, als ständig angesprochen zu werden.

 

Eure aktuelle Platte „Bestie der Freiheit“ erschien bereits im Januar. Warum habt ihr eure Tour auf Oktober und November gelegt?

Es gibt mehrere Gründe: Erstens waren wir direkt zu VÖ auf kleiner Release-Tour in allen vier Himmelsrichtungen, das heißt in Berlin, München, Hamburg und Köln. Dann waren wir im Frühjahr viel im Ausland unterwegs und haben in Russland, Tschechien und auf der Full Metal Cruise gespielt, da wäre es gar nicht möglich gewesen, noch eine Tour reinzuquetschen. Und wir haben auch für uns festgestellt, dass es ganz geil ist, wenn die Fans einen kleinen Vorlauf haben, um sich richtig in das Album reinzuhören. Ansonsten fährt man gleich auf Tour und will natürlich möglichst viele neue Songs spielen, aber die Leute kennen die Texte noch nicht und sind auch noch nicht so richtig warm mit dem Album geworden.

 

Eure Show in Memmingen eröffnet die Tour. Hat dieses Konzert eine besondere Bedeutung für dich?

Total. Also bei Memmingen kann ich nur ein ganz fettes Ausrufezeichen dahinter setzen, denn die Veranstalter – also Matthias und seine Crew – waren eine der ersten Supporter der Band. Vor acht oder zehn Jahren haben wir dort das erste Mal gespielt – als Support von Eisbrecher glaube ich. Seitdem supporten sie uns wirklich total und buchen uns jedes Jahr. Auch wenn ganz am Anfang mal nicht so viel los war, haben sie uns nicht aufgegeben, sondern immer und immer wieder gebucht. Deswegen liegt mir das auch wirklich total am Herzen.

Wie bereitest du dich auf eine Tour vor?

Ich laufe tatsächlich viel, um mich konditionell darauf vorzubereiten. Ich versuche wirklich fit zu sein, denn während einer Tour geht es mit der Kondition rapide bergab (lacht). Und tatsächlich wird auch regelmäßig geübt. Man denkt immer, man hätte während einer Tour total viel Zeit und könnte alles in seiner Freizeit machen, aber tatsächlich ist so ein Tourtag sehr kurzweilig und man hat nicht wirklich Zeit für sowas.

 

Nächstes Jahr feiert ihr 15-jähriges Jubiläum. Ist da schon irgendwas geplant?

Ja, wir haben da was richtig Großes geplant: Wir werden – so viel darf ich schon verraten – ein Jubiläumskonzert spielen, das größte Konzert, das wir als Band je gespielt haben – im Amphitheater Gelsenkirchen. Das ist eine der schönsten Locations, wie ich finde und bietet Platz für knapp 7000 Leute. Das wird eine der größten Herausforderungen, die wir als Band je hatten und es wird auch, glaube ich, eine der größten Geburtstagspartys überhaupt. Wir werden diverse Gäste einladen, Bands, die uns seit jeher begleiten und mit denen wir regelmäßig abfeiern. Das wird eine richtig schöne und lustige Nummer.

 

Interview: Jacqueline Hoffmann