Jeff Mezzrow im Interiew

Interviews, Magazin

Der experimentelle Geist und die rockige Subkultur der 60er Jahre leben in der Musik von Jeff Mezz-
row weiter. Ob durch Blues und Soul-getränkte Groove-Musik oder Rock – Gitarrist und Sänger Jeff Mezzrow bietet eine lebendige Performance, die das Publikum mitreißt und Hemmungen beseitigt. Am 08. November gibt er mit seiner Band in Kempten ein Gastspiel; sehr zu Freuden der treuen Fanbase, die sie seit Jahren hier im Allgäu haben.

Nach seiner Jugend in der berühmt-berüchtigten Southside von Chicago verließ Mezzrow 1972 seine Heimat und ist seitdem „unterwegs“ in den Staaten und Europa. 2004 ließ er sich in Berlin nieder, um mit der Blue Man Group aufzutreten. Dort tat er sich mit Schlagzeuger Benedikt Stehle von Sonnenburg und Bassist Leon Schurz zusammen und fand in ihnen eine Rhythm-Section, die die Art von Groove erzeugt, bei der sich alles richtig anfühlt.

Du warst Bestandteil zahlreicher Projekte und Bands, hast mit den unterschiedlichsten Künstlern zusammen gearbeitet. Was glaubst du hat dich in deiner musikalischen Entwicklung am Nachhaltigsten geprägt?

Ich bin in Chicago aufgewachsen und der Blues hat es mir angetan. Auf meinem Highschool-Abschlussball hat sogar der berühmte Albert King gespielt! Außerdem habe ich 1965 die Stones live erlebt und war tief beeindruckt.  Dann natürlich auch das prägnante Songwriting der frühen Beatles und natürlich Jimi Hendrix. In den frühen 70ern habe ich gelernt in einer Band zu singen und diesen British Invasion Sound zu machen. Natürlich hatten auch die ganzen Musiker, mit denen ich zusammnen gespielt habe, großen Einfluss auf mich. Wenn man Abend für Abend zusammenspielt, entsteht eine Art telepathische Verbindung untereinander.

 

Wie kam es zur Gründung von The Jeff Mezzrow Band?

Ich war viele Jahre mit meiner Band MEZZ unterwegs, habe Rockmusik mit einem Touch gefühlvollem Blues geschrieben. Dann habe ich angefangen mit Benedikt und Leon Musik zu machen und sie haben vorgeschlagen, dass wir uns The Jeff Mezzrow Band nennen. Da wir etwas Neues machten, war es wichtig, auch den Bandnamen zu verändern.

 

Wie würdest du die Musik deiner Band beschreiben?

Meine Musik ist eine Kombination aus Körper und Geist. Mein Ziel ist es, die Zuhörer körperlich und emotional zu berühren. Ich mag es aber auch mit meinen Songs Geschichten zu erzählen, vermehrt auch politisch. Trump hat mich dazu gebracht. Ich war vorher nie politisch aber dem ganzen Hass, den er verbreitet, muss ein Ende gemacht werden. Ich bin kein radikaler Mensch, aber das muss gesagt werden. Das klingt jetzt vielleicht, als würde sich unser ganzes Programm darum drehen… das tut es nicht. Einen Großteil der Zeit spielen wir einfach groovigen Rock’n’Roll!

 

Hast du in eurem aktuellen Konzertprogramm so etwas wie einen Lieblingssong?

Eine ganze Menge! Einer davon ist „Your Own Flavor“, den wir gerade erst veröffentlicht haben. Er ist mein Rat an junge Leute. Bleib dir selbst treu. Sei frei. In deiner Art zu leben, zu denken, zu handeln, in deiner Sexualität, deiner Berufswahl, deinen politischen Ansichten. Bleib deinem eigenen Geschmack treu.

Du bist aus den USA nach Deutschland gekommen und wohnst seit Jahren in Berlin. Was ist Berlin für dich?

Berlin ist eine wunderbare Stadt! Sie hat Herz und ist aufgeschlossen. Außerdem leben dort rund zehntausend Amerikaner, was für mich natürlich sehr schön ist. Aber ich liebe es in Süddeutschland aufzutreten. Die Leute dort stehen auf unsere Art von Musik. Ich kann’s kaum erwarten in Kempten zu spielen!

Interview: Mona Dittrich