Freiwilliges Soziales Jahr in Südafrika

BBB, Interviews

Wüste, Hitze und kein fließendes Wasser

Bei der Frage, was man direkt nach der erfüllten Vollzeitschulpflicht machen kann, fällt häufig der Begriff FSJ. Möglichkeiten gibt es hier viele: im Ausland oder doch in Deutschland? Beim Rettungsdienst, dem Roten Kreuz, an der Förderschule, im Kindergarten? Die Variationen sind kaum überschaubar und oftmals wirkt das ganze Konzept wie ein großer Irrgarten. Doch was bringt mir ein FSJ letztendlich, welche Vorraussetzungen brauche ich, welche Qualifikationen nehme ich mit? Und zu aller erst: Wie finde ich das FSJ, das am besten zu mir passt?

Wir sprachen mit Alina, einer Freiwilligen, die seit vier Wochen in einem südafrikanischen Dorf ihr soziales Jahr als Erzieherin macht und haben sie zu ihren Eindrücken, Aufgaben und Ängsten befragt.

Warum hast du dich gegen ein Studium oder eine Ausbildung entschieden und stattdessen für ein FSJ?

Man entscheidet sich mit einem FSJ nicht gegen ein Studium oder eine Ausbildung. Man schiebt es nur auf und gewinnt erstmal Zeit. Ich hatte immer den Traum nach dem Abi was zu machen, das mit sozialer Arbeit und einer anderen Kultur zu tun hat. So hab‘ ich erstmal den Entschluss gefasst, ins Ausland zu gehen. Außerdem entspricht ein FSJ zwei Wartesemestern und verbessert meine Chancen auf den Wunschstudienplatz.

Warum Afrika und nicht eine wohlhabendere Gegend?

Weil ich mit „Weltwärts” gegangen bin. Das ist eine staatliche Organisation, die sich in Entwicklungsländern engagiert. Ich hätte auch nach Südamerika gehen können, aber da Afrika mich am meisten interessiert hat, habe ich mich dafür entschieden. Dazu kommt, dass ich hier auch Freunde habe. Das war allerdings kein Grund, sondern nur ein Bonus.

 

Welche Erwartungen oder Vorstellungen hattest du, bevor du aus dem Flugzeug gestiegen bist?

Durch die Videos in den Vorbereitungsseminaren wusste ich ja bereits wie der Arbeitsplatz und die Landschaft aussehen werden und dass es alles recht ländlich liegt – ich hab mich darauf eingestellt, dass das Leben sehr einfach sein wird. Bei den Einwohnern hatte ich die Befürchtung, dass es dort Fremdenhass und Vorurteile gegenüber „Weißen“ herrschen. Ich habe befürchtet, dass die Menschen distanziert sind und mir der Anschluss schwer fallen wird. Beim Arbeitsplatz hatte ich irgendwie immer das Bild einer deutschen Schule im Hinterkopf.

Was waren deine ersten Eindrücke und inwiefern warst du positiv oder negativ überrascht?

Die Gegend habe ich mir fast genau so vorgestellt. Allerdings war ich wirklich überrascht, dass die Leute hier alle sehr, sehr offen, herzlich und gastfreundlich sind. Der Kindergarten ist so, wie ich es mir vorgestellt habe. Von der Schule allerdings hatte ich mehr erwartet, da die Schüler nicht so viel können.

Wo bist du untergebracht?

In Pella, das liegt ca. drei Stunden westlich von Johannesburg und es ist sehr ländlich. Ich bin dort mit einer anderen Freiwilligen bei einer Gastfamilie untergebracht, aber wir haben auf dem Gelände unsere eigene Wohnung. Wir haben kein fließendes Wasser und können nur kalt duschen, aber daran gewöhnt man sich.

Warum hast du dich für einen Kindergarten und eine Schule entschieden?

Erstens gibt es in dem Bereich die meisten Angebote und ich wollte einen geregelten Ablauf. Ich hätte zum Beispiel auch in ein Kinderheim gehen können, aber ich glaube einfach, dass ein Kindergarten und eine Schule mir mehr liegen und ich habe mich damit wohler gefühlt.

 

Wie läuft ein Arbeitstag bei dir ab?

Also im Kindergarten beginnt der Tag für mich um Viertel vor acht. Sobald alle da sind, machen wir einen Morgenkreis in dem wir singen und tanzen. Dann gehe ich die Anwesenheitsliste durch und anschließend spielen wir mit den Kindern und frühstücken. Danach tanzen wir meistens wieder und ich bringe den Kindern das „Fliegerlied“ und „Macarena“ bei. Außerdem bereiten wir die Kinder auf die „Graduation” vor, weil der Austritt aus dem Kindergarten hier ziemlich groß gefeiert wird. Die Schule beginnt um halb acht. Zuerst findet ein “Morning Assembly” statt. Da stellen sich alle Schüler in einer Reihe auf und singen und beten und es werden die kommenden Veranstaltungen und Projekte besprochen. Normalerweise gehe ich mit einer Englischlehrerin in den Unterricht und helfe ihr beim Korrigieren und Vorbereiten von Unterrichtsmaterial. Ab und zu darf ich sogar selbst unterrichten. Wenn ich nicht im Unterricht bin, dann bin ich meistens am Lehrer-Computer, da die meisten Lehrer nicht mit Tastatur schreiben können und dann tippe ich anstehende Arbeiten und andere wichtige Dokumente ab und drucke Kopien aus. Momentan bin ich außerdem zuständig Fotos von jedem einzelnen Schüler zu machen.

Welche Vorteile bietet dir ein FSJ gegenüber einem reinen Work & Travel Aufenthalt?

Also man hat mit so einem FSJ viel mehr Kontakt zur eigentlichen Kultur, da man bei einem Work & Travel oft mit anderen Teilnehmern abhängt. Außerdem hat man einen geregelten Ablauf und finanzielle Absicherung. Mir ist es auch wichtig, dass wir feste Ansprechpartner haben an die man sich wenden kann. So hat man die Absicherung, dass immer jemand für einen da ist.

Wo hast du dich über das FSJ Angebot informiert?

In der Schule wurde uns ein Gespräch mit der Bundesagentur für Arbeit angeboten und ich habe mich informiert, welche Möglichkeiten es beim FSJ gibt und da wurde auch die Organisation „Weltwärts” erwähnt. Das fand ich sehr interessant, da 75% der Kosten vom Staat übernommen werden. Dann habe ich mich weiter über eine Freundin informiert, die auch mit „Weltwärts” ein FSJ gemacht hat und natürlich über das Internet.

 

Bekommt man Geld für das FSJ?

Dadurch, dass vieles abgedeckt ist, wie zum Beispiel Reisekosten, Verpflegung und die Unterkunft etc. – also alles was man braucht – ist das Taschengeld vergleichsmäßig niedrig. Ich bekomme rund 100,- € im Monat. In einem Entwicklungsland wie Afrika reicht das aber vollkommen aus.

Denkst du, dass du mit deiner Arbeit etwas an der Situation für die Menschen vor Ort verbessern kannst?

Ich denke schon, dass ich etwas verändern kann, weil ich unter anderem die Vorurteile gegenüber „Weißen“ abbauen kann. Ich bringe außerdem andere Erfahrungen mit, da es in Deutschland ganz andere Voraussetzungen und Konzepte gibt und ich so viele Ideen mit einbringen kann. Und andersrum lerne ich auch sehr viel von ihnen – das ist ein ständiges Geben und Nehmen. Und manchmal reicht‘s schon, wenn die Kinder Spaß haben und ihre Schulzeit genießen. Dazu muss ich betonen, dass die Organisation rein aus Spenden und Freiwilligenarbeit existiert und sie deshalb auch darauf angewiesen sind.

Wie würdest du deinen bisherigen Aufenthalt in drei Worten beschreiben?

Anders. Aufregend. Schön.

 

Was ist das größte Problem, auf das du bisher gestoßen bist?

Manche Lehrer schlagen Kinder, die sich nicht an die Regeln halten und das ist für mich moralisch ein großes Problem.

 

Was vermisst du am meisten?

Natürlich meine Familie und Freunde, aber auch fließendes warmes Wasser und das uneingeschränkte Reisen.

 

Hast du noch einen Tipp für uns, wie man das richtige FSJ für sich findet?

Auf sein Bauchgefühl hören. Grundsätzliche Fragen klären, wie zum Beispiel ob man ins Ausland möchte oder nicht und man sollte sich vorher bewusst machen, was einen erwartet und auf keinen Fall leichtsinnig losziehen und sich selbst überschätzen.

 

Interview: Julia Gassner