Metal der harten Sorte: Auch wenn Al-Quatholica noch recht neu im Business sind, so konnten sie beim Bandcontest des Rock the King-Festivals in Buchenberg den dritten Platz abräumen. Beachtliche Leistung, fanden wir und haben die Jungs zu einem Interview in die Redaktion eingeladen. Antichris (vocals), Nik (bass) und Markus (drums) haben mit uns über den Bandnamen, das Genre des Extreme Metals und ihre Angst vor der Zensur geplaudert.

Ihr wusstet, dass ihr um diese Frage nicht drum herum kommt: Bitte erklärt euren Bandnamen und warum ihr euch etwas so Unaussprechliches ausgedacht habt.

Antichris: (lacht) Wir haben uns überlegt, dass wir die politischen und gesellschaftlichen Abgründe der Menschheit ansprechen möchten. „Catholic“ ist das englische Wort für katholisch und das „Al“ steht für al-Qaida. Quasi ein Hinweis auf den religiösen Terrorismus. Und zum Unaussprechlichen: Wir haben da vorhin erst in der Gruppe darüber geredet, dass das „o“ in „Quatholica“ doch nicht stumm ist, sondern aufgrund der Endung auf „a“ ausgesprochen werden muss. Dadurch fällt die Aussprache nun doch wieder leichter.

Al-Quatholica

Local Heroes, Magazin

Ich möchte mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber innerhalb der Bandmitglieder gibt es doch einen ganz schönen Altersunterschied. Kommt es da manchmal zum Generationenkonflikt?

Markus: Also ich spreche jetzt mal für mich und muss sagen, dass das gar kein Problem darstellt. Natürlich gibt es Punkte, wo sich die Geister scheiden – gerade beim Thema Mädels, da habe ich meine Schäfchen schon im Trockenen, während die Jungs noch auf der Pirsch sind (lacht). Ich habe sie am Anfang der Bandgründung gefragt, ob das Alter ein Problem sei und als alle verneinten, war die Sache klar. Dann war das Thema eigentlich vom Tisch – es geht ja um die Sache und die Chemie stimmt sehr gut.

Nik: Es geht um die Musik, da ist das Alter egal.

Seit kurzem seid ihr zu fünft. Wie kam es dazu?

Antichris: Wir haben insgesamt sehr lange gebraucht, bis die Band komplett war. Wir haben ja zu viert angefangen und überlegt, wie lange wir das wohl mit dem Bassisten rauszögern können. Wir hatten schon eine kleine Unterstützung so für ein Jahr, doch der ist uns dann aus zeitlichen Gründen abgesprungen und dann kam Nik, der meinte: „Hier! Ich will sofort!“ Und damit war die Sache dann geritzt.

Nik: (lacht) Meine erste Bandprobe war dann gleich ein Livekonzert. Das war klasse!

Habt ihr alle schon vor Al-Quatholica musikalische Erfahrung sammeln können?

Antichris: Tizzy und ich kennen uns schon seit zehn Jahren und wir haben immer versucht, eine Band aufzubauen. Ich war anfangs noch an der Gitarre, aber da er einfach der bessere Gitarrist ist, habe ich mich ans Mikro gestellt.

Markus: Für mich war es erstmal musikalisches Neuland, da ich einfach aus einer anderen Ecke komme. Ich mache Afrika-Musik und bin eher ein Kind der 70er. Ich habe auch noch eine andere Band, mit der ich eher Folk und Jazz spiele. Aber mir macht es tierisch Spaß und die Jungs haben mich von Anfang an sehr gefordert. Also die Latte hing sehr hoch für mich.

Nik: Ich habe mit sieben meine erste Akustik-Gitarre geschenkt bekommen und mir dann das Spielen übers Internet selber beigebracht. Ich war dann später oft Teil von Garagenbands, aber wir hatten nicht wirklich Auftritte – bloß zum Spaß. Chris habe ich dann durch Tizzy kennengelernt und jetzt spiele ich Bass (lacht).

Im Metal gibt es sehr viele Sub-Genres. Was genau zeichnet Extreme Metal aus?

Antichris: Wir sagen mittlerweile, dass wir straighter Death Metal sind, Extreme Metal ist eher der Überbegriff. Dafür sind die Gitarren, die Lyrics und das Artwork sehr sehr wichtig. Ich habe Angst, dass wir später mal auf dem Index landen. Aber gut, das ist das Try and Error-Prinzip.

Um was geht’s in euren Songs, wenn du Angst hast, indiziert zu werden?

Antichris: Wir haben eine relativ große Bandbreite. Größtenteils geht es um die Abgründe der Menschheit, die durch Religion, Politik und Wirtschaft verursacht werden. Wir möchten die Leute auf diese Dinge aufmerksam machen – wir finden alles interessant, was der Mensch als negativ assoziiert. Die Extreme in der Musik kommen dann noch als i-Tüpfelchen hinzu.

Markus: Wir haben einen Song, der heißt „Lies“. Die Idee dazu kam mir, als ich in einem Interview gelesen habe, dass 70 % aller Soldaten im Irak denken, sie wären dort, um sich für 9/11 zu rächen. Da wurde mir klar, dass die gar keine Ahnung haben. Saddam Hussein hatte damals mit 9/11 gar nichts am Hut – es ist einfach krass, was für ein gigantisches Lügenkonstrukt dort aufgebaut wurde. Das Thema Religion kommt auch oft vor, aber nicht, weil wir Religion per se scheiße finden, sondern was damit gemacht wird.

Antichris: Wir sind der Meinung, dass Religion was Gutes ist, wenn sie den Menschen führt und ihm das Leben erleichtert, aber sobald institutionelle Religionen beginnen, ihre Mitglieder in eine Art Diktatur reinzuziehen, dann kritisieren wir das.

Markus: Wir verstehen uns deshalb aber nicht als politische Band. Diese Debatte hatten wir schon ein paar Mal, aber dazu sind die Songtexte zu unterschiedlich aufgestellt.

Chris, eine Frage an dich: Was machst du, dass deine Stimme nicht schon nach den ersten drei Songs versagt?

Antichris: Das ist eine fantastische Frage! Ich habe keine Ahnung! Ich übe regelmäßig und versuche es gleichzeitig nicht zu übertreiben. Die Stimmübungen zuhause mache ich meistens clean, um dann in der Probe oder auf dem Gig alles zu geben.

Ihr hattet noch nicht allzu viel Live-Expertise, als ihr beim Bandcontest des diesjährigen Rock the King-Festivals aufgetreten seid. Wie war es für euch, dann gleich auf einem der größten Festivals der Region aufzutreten?

Markus: Ich war mächtig aufgeregt, weil ich nach wie vor der Meinung bin, dass ich kein allzu guter Schlagzeuger bin und als ich gesehen habe, was da alles auf der Bühne rumspringt, habe ich wirklich Angst bekommen. Auf der anderen Seite habe ich mit anderen Bands schon viele Konzerte gespielt und weiß, dass das normal ist. Die Stimmung auf dem Rock the King war sehr gut und die Atmosphäre war sehr familiär. In dem Moment, wo man auf der Bühne steht, wird der Schalter umgelegt und dann konzentriert man sich nur noch darauf, eine gute Show zu liefern.

Antichris: Das kann ich nur bestätigen. Das war für mich und die Band der zweite Auftritt jemals und da bin ich wirklich ins eiskalte Wasser geschmissen worden. Aber wenn man erstmal auf der Bühne steht, dann ist man wie in einem Tunnel drin.

Nik: Ich war da ja noch nicht Teil der Band, sondern nur im Publikum, aber ich muss sagen, dass die Show und der Sound wirklich geil war. Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen (lacht).

Dürfen wir uns im nächsten Jahr auf eure erste Platte freuen? Ist da schon was in Planung?

Markus: Planen tun wir viel (lacht).

Antichris: Also wir sind schon effektiv im Songwriting drin. Aber wann unsere Platte rauskommen wird, wissen wir noch nicht. Mit viel Glück in einem Jahr, aber wir haben im Januar unsere Demo rausgebracht und erstmal keine Eile.

Markus: Wir wollen uns auch einfach ein bisschen Zeit lassen und nicht auf Teufel komm raus was veröffentlichen. Wir arbeiten schon drauf hin, aber es ist noch nichts Konkretes in Planung.

Interview: Jacqueline Hoffmann

 

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