Wie man ein Album in drei Tagen aufnimmt!

Live-Hip Hop mit Jazzeinflüssen, so könnte man das Genre von Housewife Productions zusammenfassen. Die Band ist ein Zusammenschluss von Rapper Anton aka Twan (La Cafetera Roja) und Pianistixx, also Magnus Dauner, Andreas Schütz und Christian Bader. Im Juli erschien ihr erstes gemeinsames Album „Made my day“.

Wie das Ganze so schnell gewachsen ist, wollten wir von Anton genau wissen und haben in in seinem Sound-Labor bei sich zuhause besucht, wo er schon an neuen Beats arbeitete und ihm über die Schulter geschaut.

Anton, bevor die PianistixX und Du das neue Projekt Housewife Productions gestartet habt, kanntet ihr Euch schon vorher, oder?

Wir haben mit Magnus eine La Cafetera Roja-Tour gespielt in Deutschland und im Baskenland, auch weil sie wieder Ersatz für den Schlagzeuger gesucht haben.

Die Musiker von den Pianistixx sind ja alle ziemlich beschäftigt, ging sich das zeitmäßig aus, für den Magnus ?

Er hat sich die Zeit für die Tour geschaffen, weil er da richtig Bock drauf hatte.

Du wohnst noch nicht lange in Kempten. Wie bist Du auf Magnus gestoßen?

Ich hab einfach in Kempten rumgefragt, wer der beste Schlagzeuger ist und drei Leute haben gesagt, Magnus Dauner. Und was soll ich sagen, er ist sehr gut auch wenn er vorher noch nicht wirklich mit der Materie Hip Hop zu tun hatte. Aber das war egal mir ist vor allem wichtig, wenn ich mit guten Musikern arbeite, das musikalisch was abgeht und sich das große Ganze durch alle Beteiligten entwickelt.

Fiel es Magnus als Jazzdrummer leicht mit Deinen Beats klarzukommen?

Das schwierigste für Magnus war es einfach mal drei Minuten das gleiche zu spielen, wie ein Loop. Da musste er sich schon disziplinieren. Aber er hat es durchgezogen. Vor den Aufnahmen hab ich den anderen die Referenzen geschickt. Wenn ich einen Beat produzier, denk ich aber nicht drüber nach, wie das Ganze live umsetzbar ist. Das war natürlich eine gewisse Herausforderung für Magnus. Aber er hat sich solange hingesetzt und geübt, bis es gepasst hat, bis es mit dem Drumset live spielbar ist.

Was für Plugins verwendest Du beim Produzieren?

Housewife Productions kommt fast ohne Samples aus, und nur sehr versteckt. Die Beats sind live eingespielt, das mach ich alles selbst. Einmal hab ich als Bassdrum meinen Reisekoffer verwendet, ich probier viel aus. Wenn es tight klingt, ist es tight.

Wie kamen die anderen beiden, Andreas Schütz und Christian Bader zu der Band? Wie entstand das Ganze?

Ich hab ziemlich viel aus der Hand gegeben. Der Magnus hat Andreas und Christian Bader ins Boot geholt. Es hat sich alles sehr schnell und ganz natürlich entwickelt. Dieser Vibe hat uns alle selbst zuerst überrascht und dann noch mehr angetrieben. Ich hatte ein paar fertige Songs, die ich gern live performen wollte und hab sie Magnus gezeigt. Dem hat das alles sehr gut gefallen und wir hatten von Anfang an in erster Linie das Ziel den Sound live zu spielen. Das Album entstand, um uns bewerben zu können. Tja, Stück für Stück ging das weiter… (lacht)

Wie liefen die Aufnahmen für das Album?

Wir haben alle Tracks für eine EP in zwei Tagen aufgenommen und dann hatten wir noch Zeit… (lacht) Dann haben wir halt nochmal fünf Tracks aufgenommen. (lacht)

Das ist schon ziemlich effizientes Arbeiten, oder?

Ja, das hat uns selbst ziemlich geflasht. Die anderen hatten meine Beats und Songskizzen und haben sich das im Vorfeld super drauf geschafft. Beim Aufnehmen haben wir dann manchmal nach dem ersten Take gesagt, „Okay, passt. Oder sollen wir noch einen zweiten Take machen…“ (lacht) Magnus und die anderen waren halt von Anfang an begeistert, wie ich die Songs komponiert hab und haben das genau so übernommen, wie ich es geschrieben hab.

Dann bist Du kein Perfektionist, der aus einer Aufnahmesession versucht das Meiste, das Beste herauszukitzeln?

Ich bin der Überzeugung, dass die Emotion, der Augenblick einfach viel wichtiger für die Musik ist als die Qualität der Aufnahme und der Abmische. Beim Hörer muss der Vibe ankommen. Und das transportieren immer noch die Künstler, die Musiker.

Du warst mit Deiner Band La Cafetera Roja viel unterwegs, in ganz Europa. Das allgemeine Angebot und die Nachfrage nach Livemusik ist im Allgäu ja eher überschaubar.

Ich glaube, man muss die Leute nur wieder sensibilisieren für Livemusik. Das sehe ich auch ein bisschen als meine Mission. Durch elektronische Musik und die fetten Beats sind die jungen Menschen von heute ganz anders aufgewachsen und konditioniert. Sie kennen das kaum noch, Jamsessions, Live-Bands in den Bars, Partys im Proberaum, Straßenmusik. Und ich find es ja selbst geil, wenn ein fetter elektronischer Beat richtig schiebt. Und trotzdem gibt es diesen Moment, wenn auf einer Party plötzlich jemand anfängt ein Instrument zu spielen, wie man merkt, dass es eine Faszination auslöst, die Aufmerksamkeit catcht.

Du bist schon seit mehreren Jahren hauptberuflich Musiker. Wie lebt es sich damit?

Ich hab das große Glück, das ich davon leben kann, das stimmt. Es ist ein schönes Leben, wenn man davon lebt. Und wenn man dafür lebt. Also ist es in jedem Fall schön.

Interview: Felix Schleinkofer