Foodsharing is Caring

Seit fünf Jahren retten die freiwilligen Helfer von Fair-Teiler in Kempten Lebensmittel vor der Mülltonne.

2012 wurde die Initiative „Foodsharing“ ins Leben gerufen, die aktiv gegen Lebensmittelverschwendung vorgeht. Mit fast 5000 Kooperationspartnern hat man bisher ca 7,8 Millionen Kilogramm Lebensmittel vor dem Wegwerfen gerettet. In fast jeder Stadt in Deutschland gibt es Fair-Teiler, die die Essensspenden unter das Volk bringen. So auch in Kempten. Anfangs noch in kleinere Stil im Haus International, wuchs das Aufkommen rasant an. Wir haben die „Food Saver“ in ihrem neuen Quartier besucht und Herrn Rudy Betz zum Interview gebeten.

Wann sind Sie auf diese Idee gekommen? Was war der ausschlaggebende Punkt für die Aktion?

2013 kam der Dokumentarfilm „Taste The Waste“ im Fernsehen, in dem es um Lebensmittelverschwendung handelt. Der Regisseur ist auch der Gründer der Plattform www.foodsharing.de. Ein junger Mann aus Kempten mit der Philosophie „Das Leben ohne Geld bestreiten“ hat in der Zeitung Interessenten zu dem Thema aufgerufen zu einem Infoabend ins Haus International zu kommen, wo auch dieser Film gezeigt wurde. Das war dann der Startschuss für unsere Unternehmung.

Was ist Ihre Motivation?

Uns ist wichtig, dass man etwas tut, gegen die Millionen von Tonnen Lebensmittel, die jährlich europaweit weggeworfen werden. Allein bei uns gehen bis zu 500 Kilo pro Tag über die Theke. Alles noch gute, leckere Sachen.

Woher kommen die Lebensmittel, die Sie verteilen?

Von hiesigen Bäckern, Supermärkten, Obst- und Gemüsehändlern. Auch von der Tafel bekommen wir manchmal viel Frischware, die sie selbst nicht verbrauchen können und nicht wegwerfen wollen. Wir sind für die Tafel eine Art Ergänzung. Wir holen die Waren ab, machen Termine mit den Spendern und einen Abholplan für unsere Mithelfer, sortieren dann alles vor und legen es anschließend bereit. Manchmal bekommen wir auch von Privatpersonen etwas, wie z. B. selbstgemachte Marmelade oder Konserven usw. Die bringen uns das dann hier vorbei.

Welche Lebensmittel findet man bei Ihnen, welche auf keinen Fall und warum?

Man findet bei uns immer eine große Auswahl an verschiedenen Broten und süßem Gebäck. Außerdem haben wir auch immer Milchprodukte aller Art, Obst und Gemüse zur Auswahl. Fisch und Fleischprodukte veräußern wir überhaupt nicht, da das Risiko einer Lebensmittelvergiftung höher ist. Das ist auch gesetzlich so geregelt. Falls wir etwas bekommen, was selten der Fall ist und es noch gut ist, nehmen wir es für uns auf eigenes Risiko mit nach Hause zum Verbrauchen.

Für wen sind Ihre großzügigen Spenden gedacht? Kann da jeder einfach vorbeischauen?

Bei uns ist jeder herzlich willkommen und auch wirklich jede soziale Schicht vertreten. Vom Professor zum Geschäftsführer über einfache Arbeiter und Familien bis zu Flüchtlingen und weniger Begünstigten kommen alle vorbei.

Wie können Betriebe bzw. private Personen Ihre Initiative unterstützen?

Wir halten alle zwei Wochen dienstags ein Teamtreffen um 19:00 Uhr hier im Ankergässele 1 in Kempten. Sowohl Privatpersonen als auch Betriebe, die überschüssige Lebensmittel abgeben können und möchten, sind herzlich eingeladen diesen Treffen beizuwohnen. Wir besprechen dann gleich die organisatorischen Punkte wie Abholung u. ä. vor Ort.

Sie sind vor kurzem vom Haus International ins Ankergässele gezogen, warum?

Wir haben damals ganz klein in der Küche vom Haus International angefangen. Als das nicht mehr gereicht hat, haben wir eine kleine Hütte angebaut aus gespendeten Materialien, alles in Eigen-Regie, 2,80 m auf 2,50 m. Zudem wurde der Andrang immer größer. Ab Mitte 2017 haben wir dann alles draußen auf Bierbänken aufgebaut. Aber es wurde immer mehr und mehr. 2018 haben wir dann einen Verein gegründet, damit wir eigenständig was anmieten konnten. Aber Kempten ist teuer. Zufällig haben wir dann im Mai hier im Ankergässele 1 gesehen, das etwas frei ist. Man ist uns entgegengekommen, damit wir die Mietsumme aufbringen können. Seitdem haben wir Montag bis Freitag von 17:00 bis 19:00 Uhr und am Samstag von 16:00 bis 18:00 Uhr unsere Türen geöffnet.

Wie finanzieren Sie Ihre Unternehmung? Bekommen Sie Subventionen vom Staat?

Nein, alles wird durch Spenden finanziert und durch freiwillige, ehrenamtliche Arbeit. Die Organisation „Von Herz zu Herz“ ist uns sehr wohlgesonnen. Die haben uns sehr viel geholfen und uns sogar Einrichtungsgegenstände wie z. B. Kühlschränke kostenlos vermittelt.

 

Interview: Tahsin Kün

Öffnungszeiten:

Montag – Freitag 
17:00 – 19:00 Uhr

Samstag
16:00 – 18:00 Uhr

 

Foodsharing Kempten