15 JAHRE PARKTHEATER!

Fr. 11. &  Sa. 12.01.2009 – Parktheater/Kempten

Wie die Zeit verfliegt… Bereits seit 15 Jahren werden in den ehrwürdigen Hallen des Parktheaters ausschweifende Partys gefeiert. Zum Geburtstag lässt das Team gleich an zwei Tagen hintereinander die Korken knallen und lädt alte und neue Freunde der Parktheater-Familie dazu ein.

Am Freitag gibt es zum Start des Party-Wochenendes eine ganze Menge Specials, z. B. Facebook Eintrittsspecial bis 23:30 Uhr, Laser-Show, Empty Pocket Prices, großer Sponsoren Give-Away Stand, u.v.m. Für den Sound sorgen im Saal Kool Cut,   Short-T, Shure, Schattenheld Soundsystem und 21Grams. Im Studio gibt es House & Electro mixed by Ivan S., Chef Curry, ÆVE und Effay.
Der Samstag steht dem Ganzen natürlich in nichts nach und am Eingang gibt es für alle Welcome Drinks, VIP-Area, Show-Acts und eine dicke Laser-Show. Deutlich elektronischer als am Freitag, nämlich nach House und Tech-House klingt es im Saal, wenn Karotte (Break New Soil, Tronic, Frankfurt) an den Reglern steht. Supported wird er von den Parktheater-Urgesteinen Craxx & Direkt a.d.O. Im Studio bekommt Ihr feinsten Techno auf die Ohren von 80DD, White Gold Funky und Yves.

„Das war viel rebellischer als man sich das heute vorstellt.“

Sein erstes Lokal eröffnete Hannes Palmer mit Anfang 20 als er noch studierte. Läden wie das Stilbruch, der Havanna Club oder die Millennium Party in der Allgäuhalle zum Jahrtausendwechsel und viele Off-Locations wurden bespielt, darunter so ziemlich jedes leerstehende Fabrikgebäude und die ein oder andere Kirche. Alte Gemäuer sind heute genauso hoch im Kurs wie damals, wenn es darum geht, ungewöhnliche Locations für Raves zu finden. Als er damals zusammen mit seiner Frau Micha und ihrem Onkel auf der Suche nach einer größeren, festen Location war, hatte er deshalb das Tonnengewölbe unterhalb des Kinos „Colosseum“ in Kempten im Auge. Doch es sollte anders kommen.

 

Wie seine ersten Schritte damals aussahen, hat er uns im ausführlichen Interview geschildert. Eine spannende Zeitreise durch die letzten zwei Jahrzehnte als Musikliebhaber und Musiker, Veranstalter und Fan, Gast und Gastronom in einer Person.

– Wie bist Du auf die Idee gekommen, aus dem Kino eine Disco zu machen?

Entstanden ist die Idee eines eigenen Ladens während des Studiums. Als ich die Geburtstagsparty zum 18. meiner Schwester organisiert habe, entstand zum ersten Mal die Idee vom Stilbruch, dem Lokal, das wir vor dem Parktheater hatten. Da ging das Ganze eigentlich los.

– Ihr habt ja damals schon viele Veranstaltungen organisiert, nicht nur in einer festen Location, oder?

Das stimmt, wir haben viele Off-Locations bespielt, so ziemlich alles was es in Kempten und Umgebung gibt, noch bevor wir auf der Suche nach einem Club waren. Zum Beispiel haben wir alles, was Fabriken angeht, bespielt. Von der Rosenau bis zu Kottern Textil, irgendwelche Kirchen haben wir immer schon genommen, um Techno-Veranstaltungen zu machen. Eigentlich sogar hauptsächlich in Off-Locations, auch die große Millennium-Party in der Allgäuhalle, an die sich vielleicht noch einige erinnern. Dadurch, dass wir das immer gemacht haben, waren wir irgendwann auf der Suche nach einer festen Location. Ich hab mir eigentlich ein altes Tonnengewölbe vorgestellt. Zum Beispiel unterhalb des Kinos unter dem Colosseum, da gibt es so ein altes Gewölbe. Das ging aber nicht.

 

– Warum nicht?

Die Gewölbe waren aus verschiedenen Gründen einfach nicht bespielbar: keine Fluchtwege, Salpeter im Mauerwerk, das volle Programm. Das wäre mir aber egal gewesen, wir haben gesagt, ist doch super, das hat doch Charme. (lacht) Das macht man ja so ähnlich heute immer noch. Während des Gesprächs mit dem Besitzer sagte der aber:  „Ich baue jetzt ein Multiplex-Kino und das Parktheater wäre frei. Hättest Du darauf nicht Bock?“ Und so ging das los.

 

– Wie alt warst du damals?

Da war ich 28. Das war natürlich eine Riesen-Investition, aber wir haben Flip-Coin-mäßig alles auf eine Karte gesetzt.

 

– Und dann konntet Ihr gleich mit dem Umbau beginnen?

Nein, dann gab es erst mal eine Unterschriftenaktion, eine Riesen-Petition.

 

– Warum denn das?

Das Ganze war deutlich rebellischer als man sich das heute vielleicht vorstellt. Das war noch eine ganz andere Zeit, wir waren wirklich nur auf „Feiern“. Und durch die vielen Veranstaltungen, die wir in den Off-Locations gemacht haben, auch durch das „Stilbruch“ – sozusagen der erste reine Electro-Laden in Kempten –  waren wir auch keine Unbekannten. Viele haben sich Sorgen gemacht, dass eine Diskothek mitten in der Innenstadt nur für Probleme sorgt. Also haben wir damit auch einen gewissen politischen Druck aufgebaut. Weil alle dagegen waren. Aber nachdem wir dem Rathaus 4000 Unterschriften entgegen gestellt haben, hat sich der damalige Bürgermeister Ulrich Netzer auf unsere Seite geschlagen. Dabei hat uns auch in die Karten gespielt, dass Herr Netzer die Sache für sich als Wahlkampfthema ausgesucht hat und sich für uns eingesetzt hat. Und dann ging es los…

– Wie sahen denn Eure ersten Schritte aus? 

Zusammen mit der Micha und ihrem Onkel haben wir das Ganze dann angeschmissen. Erst die Investoren-Suche und dann der Umbau…

– Was wäre passiert, wenn das Ganze in die Hose gegangen wäre?

Dann hätte ich alleine meinen Kopf dafür hinhalten müssen. Dann hätte ich auf jeden Fall erst mal ein paar Jahre Zeit gehabt, ganz in Ruhe zu studieren. (lacht) Für alles andere hätten mir dann die finanziellen Mittel gefehlt.

 

– Ohne Hilfe wär das alles sicher nicht gegangen, oder?

Nein, ohne Freunde und Idealismus ziehst Du sowas nicht durch. Das waren ja alles Freunde und Studenten, die mir geholfen haben. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen, wie wir das durchgezogen haben. Der ganze Umbau, wir haben das Gebäude ja komplett entkernt, freestyle-mäßig.

– Wie lange habt Ihr daran getüftelt?

Über neun Monate. Und das im heißesten Sommer des Jahrhunderts. Nur Freunde und Bekannte auf der Baustelle. Von dem Sommer haben wir nichts mitbekommen.

– Sind in der Belegschaft vom Parktheater noch „Überbleibsel“ aus dem Stilbruch vertreten?

Oh ja, einige. Angefangen bei den DJs, wie Smart, Craxx, White Gold Funky oder dem Pfirsich, der seit dem Millennium dabei ist. Dann Andy, der Türsteher der auch seit 20 Jahren dabei ist. Und natürlich viele unserer Gäste, die immer noch Gäste sind, wenn auch nicht mehr so häufig.

– In all der Zeit haben sich international erfolgreiche Bands und DJs im Parktheater die Klinke in die Hand gegeben. Wie ist das, wenn man solche Stars regelmäßig persönlich kennenlernt?

Die sind viel unkomplizierter als man sich das vorstellt. Die sind viel auf Reisen und haben ganz menschliche Probleme, ja es menschelt halt sehr. Viele, die zum ersten Mal nach Kempten kommen, haben ein gewisses Bild von der Landbevölkerung. Aber das ändert sich meistens sehr schnell, weil die Leute hier schon wissen wie man feiert und am Ende eine gut feiernde Meute vor den Künstlern steht.